Wir haben den neuen PRUSA I3 MK3S getestet und möchten euch in diesem Artikel den Drucker, den Zusammenbau und unsere ersten Eindrücke näher bringen.

Prusa I3 MK3S

Anfang des Jahres hat PRUSA den beliebten Drucker I3 MK3 noch einmal überarbeitet. Der I3 MK3 war damals schon wegweisend für die Branche und bietet folgende Vorteile:

  • starker Rahmen
  • Weiterdrucken nach Stromausfall
  • austauschbares magnetisches Druckbett
  • direkt mit OctoPrint kompatibel
  • Autokalibrierung über 9 Punkte

Folgende Punkte wurden dann beim MK3S verbessert.

Mechanischer und optischer Sensor

Beim MK3S wird ein mechanischer und optischer Sensor für das Filament verwendet. Man hat also nicht mehr das Problem, dass bestimmte Filamente nicht erkannt werden. Besonders bei transparenten Filamenten hat ein rein optischer Sensor Probleme. Eine Kombination aus beiden Systemen scheint somit die beste Lösung zu sein.

Optimierter Extruder

Der Extruder des MK3S wurde überarbeitet, und so muss man jetzt für bestimmte Upgrades oder Reparaturen nicht mehr den kompletten Extruder auseinander bauen. Außerdem wurde die Nozzle und der Extruder-Motor näher zur x-Achse gesetzt. Somit entstehen weniger Vibrationen.

Darüber hinaus wurden noch viele kleinere Dinge optimiert. Die Riemen wurden optimiert. Es gibt nun textile Kabelschläuche. Das Gehäuse vom Einsy wurde überarbeitet und vieles andere mehr. Die komplette Liste findet man im Blog von PRUSA.

Kit oder fertig gebauten Drucker kaufen?

Bevor man sich den Drucker bei PRUSA kauft, wird man vor die Entscheidung gestellt: Bausatz oder fertiger Drucker? Hier muss man natürlich abwägen, ob es einem wichtig ist, sofort nach der Lieferung mit dem Drucken anzufangen, oder ob man Zeit aufwenden will, den Drucker zusammen zu bauen, dafür aber etwas Geld spart und Wissen gewinnt.
Wir würden aber jedem empfehlen, das Kit zu kaufen und den Drucker selbst zusammen zu bauen. Beim Zusammenbau bekommt man einen guten Überblick über die Funktionsweise und die verschiedenen Komponenten des PRUSA I3 MK3S. Wenn man den Drucker später upgraden oder reparieren möchte, versteht man die einzelnen Komponenten und deren Funktion wesentlich besser. Dieses Verständnis hilft natürlich auch bei der Fehlersuche.

Auspacken und erster Eindruck

Werkzeuge & Produktverpackung

Wer die Produkte von PRUSA kennt, der weiß, dass man sich viele Gedanken zur Verpackung und zum Zusammenbau gemacht hat. Die einzelnen Pakete sind alle beschriftet und somit ist alles sehr übersichtlich. Am besten packt man alles aus und sortiert die Pakete. Jedes Paket enthält nun einzelne Druckverschlussbeutel mit Schrauben und anderen Teilen, natürlich auch wieder eindeutig beschriftet. Es gibt auch QR-Codes, Seriennummern und ID-Stempel. Damit wird das Nachbestellen von Teilen sehr einfach gemacht.

Das Werkzeug für den Zusammenbau ist auch enthalten: Eine Nadelzange, ein Schraubendreher, ein Paket Kabelbinder und ein Inbus-Set. Uns hätte jetzt noch ein kleiner Gabelschlüssel für die Muttern gefehlt. Mit der Nadelzange ist es etwas mühsam, die kleinen Muttern zu halten. Ein Tüte Gummibärchen ist natürlich auch am Start.

Noch ein kleiner Hinweis zur Qualität von PRUSA. Bei unserem Set waren in den einzelnen Verpackungen alle Schrauben und Muttern genau abgezählt. Man wusste also am Ende eines Bauabschnittes immer, ob man alles richtig gemacht hat. Natürlich gibt es noch eine extra Tüte mit Ersatzschrauben.

Anleitung

Die Anleitung für den I3 MK3S ist sehr übersichtlich. Man kann entweder die gedruckte Anleitungen verwenden oder die Anleitung auf der Webseite von PRUSA. Mit beiden kommt man ans Ziel.
Jeder Schritt ist mit Text und Bildern erklärt, und wenn man sich genau an die Anleitung hält, sollte eigentlich nichts schiefgehen.
Am besten liest man sich einen Schritt erst mal komplett durch und baut es dann Schritt für Schritt nach. So hat man direkt einen Überblick über den jeweiligen Schritt und vermeidet Fehler. Man sollte sich auch nicht nur auf die Bilder verlassen, da der Text oft noch nützliche Zusatzinfos parat hält.
Wenn man noch mehr Bilder oder Kommentare von anderen Nutzern braucht, ist die Onlineanleitung eine gute Alternative.

PRUSA I3 MK3S zusammenbauen

Aber kommen wir doch zum spannenden Teil. Jetzt bauen wir den PRUSA I3 MK3S zusammen. Je nach Erfahrung braucht man hierfür zwischen 4 und 8 Stunden. Wir haben aber auch schon gelesen, dass manche Nutzer 16h gebraucht haben. Wir haben ca. 8h für den Bausatz gebraucht, da wir nebenher noch Fotos gemacht haben, was natürlich immer etwas Zeit kostet.
Die kleinen Muttern zum Gegenhalten der Schrauben sind sehr diffizil. Manchmal bekommt man sie einfach nicht in die dafür vorgesehenen Öffnungen. Aber mit dem Trick von Josef PRUSA hat es eigentlich immer gut funktioniert. Hierzu nimmt man eine Schraube und zieht die Mutter über die Schraube in die Öffnung.

Gestell und y-Achse zusammenbauen

Als Erstes baut man das Gestell, das aus Aluminiumstangen und Aluminiumplatten besteht, zusammen. Dieser Schritt ist so ziehmlich der einfachste, und man kommt sehr schnell voran. Bei uns war das Gestell sofort eben, nichts hat gewackelt. Das nennen wir Qualität.
Danach baut man die Halterung für die y-Achse zusammen. Hier geht man auch wieder Schritt für Schritt vor. Kleinere Schwierigkeiten hatten wir bei der Montage des Riemens. Die Schraube zum Festziehen des Riemens liegt unter dem Riemen. Hier braucht man viel Fingerspitzengefühl. Der Inbus mit dem runden Kopf hilft natürlich.

x-Achse und z-Achse zusammenbauen

Nachdem man das Gestell und die y-Achse zusammengebaut hat, geht es nun an die x-Achse. Dazu muss man zum ersten Mal die Metallstangen in die Halterungen pressen. Hier hatten wir die ersten Probleme, denn auf einer Seite wollten die Stangen einfach nicht komplett in die Halterung. Mit viel Geduld und etwas mehr Kraft (als uns eigentlich lieb war) hat es aber dann doch funktioniert. Man sollte nicht zu viel Kraft aufwenden, da es sich bei den Stangen und linearen Kugellagern um Präzisionsteile handelt. Wenn hier etwas verbogen wird leidet später die Druckqualität.
Danach werden die Stäbe für die z-Achse und die Motoren am Gestell angebracht. Die x-Achse wird nun auf die z-Achse gebracht. Alles halb so wild.

Extruder zusammenbauen

Jetzt kommen wir zum spannenden Teil, dem Zusammenbau des Extruders. Dieser Schritt hat am meisten Zeit verbraucht, da man hier sehr genau aufpassen muss. Wir haben alle Schritte lieber doppelt und dreifach kontrolliert, zumal hier später sehr hohe Temperaturen entstehen.
Der Zusammenbau des Extruders ist zwar mühsam, man sieht aber auch das ausgeklügelte Design des PRUSA Teams. Besonders durchdacht ist der neue optische und mechanische Filament-Sensor.

Display und Heizplatte zusammenbauen und Elektronik verkabeln

Nachdem man mit dem Extruder fertig ist, bekommt man wieder eine einfache Aufgabe – das LCD Display. Da es hier nur wenige Teile gibt, geht das auch sehr schnell. Danach baut man die Heizplatte zusammen. Hier braucht man auch wieder etwas Fingerspitzengefühl, da man die kleinen Gewindezylinder mit der Nadelzange genau unter den Öffnungen für die Schrauben platzieren muss. Aber keine Angst, es sind ja nur 9 Schrauben. Danach baut man das Netzteil an das Gestell. Es gibt zwei Arten von Netzteilen, ein silbernes und ein schwarzes. Der Zusammenbau ist unterschiedlich, aber hält man sich beim Zusammenbau strikt an die Anleitung, sollte auch das kein Problem sein.

Verkabelung

Dafür gibt es jetzt wieder einen eher nervigen Schritt, die Verkabelung (kommt natürlich darauf an, wen man fragt).
Mittels Anleitung, Kabelbindern und viel Gefühl arbeitet man sich voran und sammelt auf dem Weg immer mehr Kabel ein. Am Ende gelangt man zum Gehäuse des Einsy-Boards.
Da man jetzt mit Strom (zwar noch nicht angeschlossen) zu tun hat, sollte man sich wirklich genau an die Anleitung halten. Beim Einschalten will man ja keine bösen Überraschungen erleben.

Kabel mit Board verbinden

Jetzt werden die gesammelten Kabel im Einsy-Board angeschlossen. Es ist nicht wirklich viel Platz vorhanden, daher muss man gut bei den Anschlüssen aufpassen. Manchmal verdeckt ein anderes Kabel die Sicht. Ein etwas größeres Gehäuse hätte hier wahrscheinlich nicht geschadet. Besonders mit dem Hintergedanken, dass man im Gehäuse ja noch Upgrade-Teile (Octoprintboard) unterbringen muß. Hier auch wieder alles doppelt und dreifach kontrollieren. Man möchte ja nicht beim ersten Einschalten einen Kurzschluss provozieren.

Kalibrierung der PINDA-Sonde

Bevor man den Drucker mit Strom versorgt, muss noch die PINDA-Sonde justiert werden. Hier geht man auch wieder nach der Anleitung vor. Dieser Schritt ist nicht wirklich kompliziert. Erfahrende Bastler werden es aber etwas leichter haben, da sie den Abstand von der Sonde zur Heizplatte besser einschätzen können. PRUSA gibt hier den Tipp, einen Kabelbinder als Abstandsmesser zu verwenden.

Erster Test vom Prusa I3 MK3S

Der spannenste Moment kommt, wenn wir auf den Ein-Schalter drücken. Der Drucker fährt hoch und das Display zeigt etwas an. Das ist doch ein gutes Zeichen. Wenn man möchte, kann man jetzt mit der ersten Kalibrierung anfangen oder man checkt noch schnell, ob man die neueste Firmware installiert hat. Bei uns war dies nicht der Fall. Also haben wir noch schnell die neueste Software inkl. Firmware heruntergeladen und den Drucker damit gefüttert. Jetzt starten wir die Kalibrierung. Der Drucker testet alle Komponenten durch: die Heizplatte, die Lüfter, die Achsen, etc. Alles reibungslos bei uns.
Jetzt wird man aufgefordert, das mitgelieferte 1,75mm Filament einzuführen und einen Testdruck zu machen. Wir haben uns für das PRUSA-Logo entschieden, das bereits auf der SD-Karte mit vielen anderen Testmodellen enthalten ist. Der Druck lief reibungslos.
Auch der zweite Druck, ein Staubfilter für Filament, hat problemlos funktioniert.

Problem nach den ersten Test-Drucken

Nach einem weiteren problemlosen Testdruck hatten wir das erste Problem. Der Drucker startete vor jedem Druckvorgang die 9-Punkt Kalibrierung. Bei einem Punkt fährt der Druckkopf deutlich zu weit und die PINDA-Sonde liegt außerhalb der Druckplatte. Ein Fehler (Z-Leveling enforced) wird ausgelöst.
Wir haben den ersten Kalibrierungsvorgang über den Wizard gestartet und die Kalibrierung funktionierte ohne Probleme. Der Drucker druckt wieder normal. Wenn wir jetzt aber wieder ein neues Modell drucken wollen, erhalten wir den gleichen Z-Leveling Fehler.

Fehlersuche Z-Leveling enforced

Jetzt beginnt die Fehlersuche. Als Erstes haben wir natürlich den Drucker unter die Lupe genommen, haben alle Schrauben noch einmal gecheckt. Dann haben wir die Stecker auf dem Board kontrolliert, ob sich hier etwas gelöst hat. Alles war aber noch an Ort und Stelle.
Danach haben wir die PINDA-Sonde neu eingestellt. Leider trat der Fehler immer wieder auf.

Fehler gefunden (zumindest beseitigt)

Als letzten Ausweg haben wir nun angefangen, den Extruder noch einmal zu zerlegen. Wir haben die hinteren Schrauben gelöst und die Kabelbinder gekappt. Dann haben wir neue Kabelbinder eingeführt und wieder festgezogen. Schließlich haben wir die Rückseite vom Extruder wieder angeschraubt.
Zur Vorsicht haben wir die Metallstangen der x-Achse noch einmal geputzt und leicht geölt. Der erste Kalibrierungstest hat wieder ohne Probleme funktioniert und siehe da, der erste Testdruck hat auch wieder ohne Probleme geklappt.
Vielleicht hatte sich wirklich ein kleiner Fremdkörper eingeschlichen und dieser hat somit den Motor der x-Achse gestört.

Erfahrungen nach 2 Wochen

Bis jetzt hat der Drucker alle Druckvorgänge ohne mechanische Probleme absolviert. Ab und zu gab es Fehldrucke, weil die Druckbetthaftung nicht ganz optimal war.

Fazit

Der PRUSA I3 MK3S überzeugt durch den einfachen Zusammenbau und die gute Anleitung. Die Kalibrierungsfunktion am Anfang ist einfach erklärt und man kann eigentlich nichts falsch machen.
Man sollte bei Montage aber wirklich auf kleine Fremdkörper aufpassen und die Teile immer schön sauber halten. Dann steht dem Drucken mit dem PRUSA i3 MK3S nichts mehr im Weg.