Nachhaltigkeit der 3D Drucker

Sind 3D Drucker nachhaltig?

Die Nachhaltigkeit von 3D Druckern wird oft in Frage gestellt, zu Recht?

Wenn wir ganz neutral auf das Thema blicken, kann man schnell nachvollziehen woher dieser Gedanke kommt. Jeder besitzt einen 3D Drucker und produziert damit neuen „Plastikmüll“.

Ganz so einfach ist es aber nicht. Im Gegenteil – wer sich etwas länger mit dem Thema der Nachhaltigkeit von 3D Druckern beschäftigt, merkt schnell dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wie kann das sein fragen Sie sich? Wir werden es erklären.

Denken Sie einmal an die Industrie. Wenn ein neues Produkt entwickelt wird, ganz unabhängig von Branche und Produktkategorie, ist eine sehr lange Entwicklungszeit nötig bevor das Produkt die Marktreife erlangt. In dieser Entwicklungsphase wird immer wieder getestet und verbessert.
Womit wird getestet? Mit Prototypen.

Prototypen aus dem 3D Drucker

Prototypen aus dem 3D Drucker

Diese Prototypen waren bisher immer sehr aufwändig zu produzieren. Eine Maschine welche Prototypen herstellen kann, vergleichbar mit den hochwertigen 3D Druckern heute (z. B. Ultimaker 2 oder Makerbot 2), kostete vor ein paar Jahren noch über 100.000 Euro. Dass diese Maschinen nicht weit verbreitet waren, liegt auf der Hand. Somit waren auch die Prototypen sehr teuer und schwierig zu produzieren.

Aus diesem Grund wurde oft nicht genug getestet und geforscht bevor neue Produkte auf den Markt kamen. Diese oft minderwertigen Artikel sind das Gegenteil von nachhaltig und weisen teils gravierende Mängel auf. Produkte direkt für die Mülltonne produziert sozusagen, nicht nur ein Prototyp, sondern Produktserien mit großen Auflagen.

Heute kann nicht nur die „große Industrie“, sondern auch der Tüftler von nebenan seine Prototypen entwickeln und auch produzieren, mit Hilfe der erschwinglich gewordenen 3D Drucker. Damit bleiben uns hoffentlich einige schlecht entwickelten Produkte erspart.

Dies ist nur eine Sichtweise auf die Nachhaltigkeit von 3D Druckern.

Was aber macht die Privatperson mit so viel Plastik, könnte man fragen.

Denken Sie an ein abgebrochenes Teil von einem Spielzeug. Das Spielzeug funktioniert nicht mehr, was machen Sie? Ganz klar, Sie schmeißen es in den Müll.
Diese Zeiten könnten vorbei sein, anstatt alles sofort wegzuwerfen können Sie nun Dinge reparieren, welche früher schrottreif gewesen wären, das ist nachhaltig.
Nun liegt es auch an der Industrie uns die Mittel zur Reparatur bereit zu stellen, z.B. Druckvorlagen für Verschleißteile. So könnten Sie als Privatanwender Ihren 3D Drucker nachhaltig einsetzen.

Jedes Spielzeug mit dem 3D Drucker reparieren

Jedes Spielzeug mit dem 3D Drucker reparieren

Warum sollte uns die Industrie diese Dateien zur Verfügung stellen, lieber verkaufen Sie uns neue Teile… Stimmt natürlich, ABER:
Es muss ein Umdenken in der Industrie geschehen und es gibt genügend Gründe dafür. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen, die Privatanwender sind bereit für digitale Güter zu bezahlen, das weiß man inzwischen. Daher würden Sie auch für professionelle 3D Druckvorlagen bezahlen und die Industrie könnte sich die Produktion sparen. Somit könnten die Endanwender viele Dinge so gestalten und individualisieren wie Sie möchten. Das ist ein ganz neuer Grad der Freiheit.
Darüber hinaus hat die Industrie keine große Wahl, denn unterschätzen Sie unsere Hobbyentwickler nicht! Wenn die Vorlagen nicht zum Endanwender kommen, dann macht er Sie eben selbst und die Industrie verdient nicht mit. Genau so ist es im Augenblick.
Schauen Sie sich nur einmal auf Thingiverse um, es gibt unzählige Teile z. B. für IKEA-Möbel zum ausdrucken. Warum IKEA diese nicht selbst zur Verfügung stellt ist mir ein Rätsel. Ich denke jedoch, dass dies nur eine Frage der Zeit ist.

Dies sind nur zwei Sichtweisen auf die Nachhaltigkeit von 3D Druckern. Bestimmt gibt es noch viele andere und jedem ist freigestellt das Thema von seinem Blickpunkt aus zu sehen.

2 Kommentare
  1. Digibike
    Digibike says:

    Das Problem an der Sache ist, daß es das Studienfach „Obselon“ – also vorgesehener Verschleiß und begrenzte Haltbarkeit, die aufgrund der Industrie eingeführt wurde, et absurdum führen würde… Daher sind z.B. viel zu schwache Akkus (300 mAh AA Akkus ) in Elektrischen Zahnbürsten fest vergossen. Komischerweise gibt es vom selben Hersteller für Kinder auch Zahnbürsten mit Batterien zum wechseln – komisch, oder? Ein Schelm wer böses denkt…
    Die Industrie braucht verkauf von neuen Produkten, Ersatzteile sind nur ein Zubrot, soviel ist klar. Aber das was derzeit abläuft ist nur noch mit Gier nach Gewinn zu begründen – das Zeug hält kaum länger als die Garantie/Gewährleistung…

    Gruß, Digibike

  2. Digibike
    Digibike says:

    Noch ein Nachtrag zum Thema Nachhaltigkeit:

    In unserem Urlaub haben wir meinen Schwager besucht. In einem Gespräch kamen wir auf ein Ersatzteilproblem zu sprechen…
    Er hat sich vor 4 Jahren bei einem Discounter einer sehr großen Lebensmittelkette einen Dampfgarer gekauft. Tja, eine Silicondichtung ist kaputt gegangen (Kaltwassertank). Hat alles probiert, aber es gibt keine Ersatzteile mehr! Gerät also nach 4 Jahren wegen einer Dichtung schrott…!
    Ich habe die alte Dichtung mit heim genommen und gezeichnet und mit Ninjaflex gedruckt – hatte ich noch griffbereit.
    Nun funktioniert der Garer wieder. Druckzeit für das Teil 5 min.! Da kann man sich ausrechnen, um was für eine „horrende“ Summe es bei dem Teil ging, die es eigentlich als Müll abstempelte…
    Meiner Meinung nach gehört hier von gesetzlicher Seite eingeschritten, wenn es dem Gesetzgeber wirklich darum ginge, Resourcen zu schonen…
    Neben einer Mindestversorgungsdauer gehören Hersteller dazu verpflichtet, STL-Dateien nach Ablauf zur Verfügung zu stellen, um Ersatzteile nach Ende des Versorgungszyklus zumindest zu ermöglichen.
    Die Zeit ist nicht nur Reif dafür – Sie ist überfällig dafür!!!
    Desweiteren könnten locker 60-70% Des LKW-Verkehrs eingespart werden, wenn man Ersatzteile, ähnlich wie Ebooks, per Elektronischer Lizenz erwerben könnte. Damit wäre die Versorgung sogar schneller und Resorcenschonender….
    Aber dagegen hätte mit Sicherheit zumindest die Logistik-Lobby etwas… 😉

    Mfg

    Digibike

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